Der Massa-Unfall – GP von Ungarn – 25.07.2009

Während des Qualifying beim GP von Ungarn flog Ferrari-Pilot Felipe Massa eine Feder an den Kopf, die sich kurz zuvor aus Rubens Barichellos Brawn-Mercedes gelöst hat.
Der Unfall ereignete sich so schnell, dass Felipe Massa keinerlei Reaktionszeit hatte, um auf den herannahenden Gegenstand zu reagieren: 0,014 Sekunden dauerte es vom Aufschlagen bis zum Abprallen der Feder.

Zehn Tage nach dem Unfall traf sich Schuberth in Paris mit Andy Mellor, dem obersten Helmexperten des Automobil-Weltverbandes FIA. Zusammen mit ihm wurden die Crashspuren an Massas Helm vom Typ RF 1.8 Millimeter für Millimeter analysierten.

Hier die wichtigsten Ergebnisse: Das Visier ist vom Grundsatz her ein kritischer Punkt bei jedem Helm. Bei dem Unfall wurde es von zwei dritteln der Feder getroffen und hielt dem Aufprall von über zwei Tonnen trotzdem stand. Doch eine Unterlegscheibe des linken Visierscharniers ist bei diesem Aufprall gebrochen. Schuberth hat aufgrund dieser Erkenntnis das Material der Scheibe gleich zum nächsten GP geändert: Titan statt kohlefaserverstärkter Kunststoff.


Der Massa-Unfall – GP von Ungarn – 25.07.2009

Zurück
top
Weiter
down

POS. 1

Aufprallpunkt: Die Feder (Innendurchmesser 38,5 mm, Außendurchmesser 61,9 mm, freie Länge 127,2 mm, 7 Windungen)
trifft mit 270 km/h und einem Eigengewicht von 833 g auf den Helm und das Visier. Der Trefferpunkt liegt vorne ca. 50 mm
entfernt von der Mittelachse. Die Trefferfläche ist ca. 40 mm auf dem Visier und 20 mm auf der Helmschale. Daraus resultiert
eine Aufprallenergie von über 1,5 Kilojoule.

POS. 2

Elastische Verformung und erste Delamination: Die Feder trifft mit ihrer scharfen Kante den oberen Rand des
Visiers von Massas Helm mit fast 90 Grad. Es folgt eine elastische Verformung des Visiers und anschließend der Schale um
ca. 20 mm. Erste Schichten der Kohlenfaserschale beginnen zu delaminieren.

POS. 3

Erste Rissbildung: Die Kohlefaserstruktur beginnt im Bereich des Visierausschnitts zu reißen. Dort ist die Struktur mehr
als 5,5 mm stark und besteht aus 18 Schichten der leistungsfähigsten Faser der Welt, der Toray T 1000. Es entsteht ein vertikaler
Folgeriss von 5 mm in der Kohlefaserschale. Das Visier hält dem Aufprall mit elastischer Deformierung stand, obwohl
es mit der vollen Energie getroffen wurde.

POS. 4

Vertikale Rissbildung in der Struktur: Der Helm nimmt nun die volle Energie der Feder auf. Der maximale vertikale Riss
in der 5,5 mm starken Kohlefaserstruktur erreicht 20 mm. Zu diesem Zeitpunkt ist die Schale des Helms und der Innenschale aus Partikelschaum stark genug, um die Feder auf ihrem horizontalen Weg zu stoppen. Der Weg der Feder erreicht nun ihren Wendepunkt und beginnt von der Struktur abzuprallen.

POS. 5

Abprallen der Feder: Durch den versetzten Aufprall (einseitig) dreht sich die Feder jetzt um fast 50 Grad. Während des
Drehvorgangs geht weitere Energie in die Kohlefaserschale. Die Struktur reißt horizontal um weitere 80 mm und klappt
nach innen, bleibt aber im Verbund.

POS. 6

Abrollen der Feder: Die Feder trifft nun beim Abrollen auf Kunststoffteile, die Visiermechanik und die Titanverschraubung. Während des Abrollens zerstört sie die obere Platte (kohlenstoffverstärkter Kunststoff) des Visierhalters. Die Titanschraube hält dem Aufprall stand. Das Visier ist noch in Position.

POS. 7

Trennung: Nach der Trennung vom Helm beschädigt die Feder auch den Headrest auf der linken Seite des Fahrzeugs.